Schauspieler besuchen Senioren

(25.10.2023) „Wir wollen, dass Sie Spaß haben. Und wenn sie Lust haben, können Sie mitsingen und -klatschen, soviel Sie möchten.“ Mit diesen Worten leiten Verena Bill und Michael Koenen vom  Niederrheintheater aus Brüggen die Vorstellung ein. Sie sind beim  Haus Raphael in Krefeld zu Besuch, wo sie für rund 60 Seniorinnen und Senioren aus verschiedenen Einrichtungen der  St. Augustinus Gruppe „Die fromme Helene“ aufführen. Das Theaterstück basiert auf der gleichnamigen satirischen Bildergeschichte von Wilhelm Busch. Ergänzt wird die Darbietung durch musikalische Einlagen von  Achim Schütz, der von seiner Gitarre begleitet beliebte Volkslieder singt. Da kommt die Einladung zum Mitsingen wie gerufen – kaum, dass das erste Volkslied erklingt, stimmen die ersten Seniorinnen und Senioren ein, beim zweiten wippen schon die Füße mit und irgendwann werden auch die Arme im Takt geschwenkt.

 

Ein Theaterangebot für alle

Organisiert wurde der gemeinsame Theaternachmittag von den Mitarbeitenden des Sozialen Dienstes verschiedener Senioreneinrichtungen der St. Augustinus Gruppe. Sie sind jeweils mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern aus Dormagen, Grevenbroich, Neuss, Viersen und Solingen angereist, um die Vorstellung mit anschließendem Kuchenessen im Café Königshof zu besuchen.

Dabei ist es gar nicht so einfach, ein Programm aufzustellen, dass auch für demenziell veränderte Menschen verständlich und unterhaltsam ist, wie Wanda Sevecke, Leiterin des Sozialen Dienstes im Haus Raphael, erklärt. „Das Niederrheintheater hat uns drei Theaterstücke vorgeschlagen und wusste aus Erfahrung, dass ‚Die fromme Helene‘ bei Seniorinnen und Senioren gut ankommt. Da die Aufführung sehr musikalisch und interaktiv gestaltet ist, haben wir uns dafür entschieden.“ Michael Koenen vom Niederrheintheater weiß, dass ein abwechslungsreiches Programm mit Musik gut geeignet ist, ganz unterschiedliche Menschen abzuholen und auf emotionaler Ebene anzusprechen. „So kann jeder einen Zugang zum Stück finden, auch Menschen mit Demenz.“

 

Eine ehemalige Theaterspielerin freut sich besonders

Nach der Vorstellung ist Marga Bähr, eine Bewohnerin des  Memory Zentrums in Neuss, jedenfalls begeistert. „Das haben die prima gemacht. Wunderbar! Da kann ich mitreden. Ich habe viele Jahre Theater gespielt, schon als Jugendliche, und später dann neben der Arbeit. Das war ein Heidenspaß! Aber es ist gar nicht so einfach und man verliert auf der Bühne schnell mal den Faden. Da kann man froh sein, wenn einem der Partner unauffällig auf die Sprünge helfen kann“, erinnert sich die 88-Jährige. Und auch ihr Begleiter Norbert Genser ist zufrieden: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, herzukommen“, so der 89-Jährige. Die nächste Vorstellung speziell für die Senioreneinrichtungen ist auch schon in Planung. Dann soll „Hänsel und Gretel“ aufgeführt werden, Gastgeber wird das Theresienheim in Viersen sein.