Was wir von zwei Senioren über Freundschaft lernen können

Mit einem Zettel fing es an
Michael Schroden und Gertrud Abels sitzen auf ihrer Bank im Garten des Hauses St. Antonius.

(30.07.2026) Aus einem handgeschriebenen Zettel entwickelte sich eine tiefe Freundschaft: Gertrud Abels (94) und Michael Schroden (65) lernten sich im Haus St. Antonius, einer Senioreneinrichtung der St. Augustinus Gruppe, kennen und wurden enge Vertraute. Zum Tag der Freundschaft am 30. Juli erzählen sie, was ihre Verbindung so besonders macht.

„Hallo Michael, finde dich nett! Könnte deine Mutter sein. Kopf hoch, du schaffst es!“ So begann die Freundschaft zwischen Gertrud Abels und Michael Schroden. Gertrud Abels ist im April ins Haus St. Antonius gezogen. Als sie im Speiseraum die anderen Bewohnerinnen und Bewohner beobachtete, fiel ihr auf, dass Michael Schroden alleine am Tisch saß – und beschloss, etwas zu unternehmen. „Da habe ich ihn eines Tages angesprochen und ihm dann einen Zettel geschrieben“, berichtet sie. Als sie kurz darauf mit ihm im Aufzug stand, übergab sie ihm den Zettel. Damit war der erste Schritt getan.

Michael Schroden war nur zwei Monate vor ihr infolge eines Schlaganfalls ins Haus St. Antonius gekommen. Seitdem muss er das Sprechen langsam wieder erlernen, was es schwieriger macht, mit anderen Kontakt aufzunehmen. Zusätzlich belastete ihn der Tod seiner Mutter. Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – des Altersunterschieds von fast 30 Jahren wollte Gertrud Abels ihm helfen. „Man kann nie eine Mutter ersetzen. Aber ich hatte plötzlich das Gefühl, Michael unterstützen zu wollen.“
 

Aus Freundschaft wird Gemeinschaft

Schnell stellten die beiden fest, dass sie sich gut ergänzten: Sie übten gemeinsam das Sprechen, unterhielten sich über Literatur, Weltpolitik und Kirche. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber solche Gespräche, die brauche ich für meinen Kopf“, sagt Gertrud Abels.

Ihr herzlicher und respektvoller Austausch zog schon bald andere Bewohnerinnen und Bewohner an. Auch Michael Schroden bemerkte, dass viele mit ihren Gedanken allein waren. Also gingen die beiden auf sie zu. So wuchs der Kreis, und inzwischen ist ihre Bank im Garten zu einem Treffpunkt geworden. Hier wird gesungen und gelacht, es werden Gedichte vorgetragen, aber auch geweint und Trost gespendet. Die Bank haben sie mit herzförmigen Aufklebern verziert, als Symbol für alle, die dort zusammenkommen.
 

Eine Botschaft zum Schluss

Vertrauen, Ehrlichkeit, füreinander da sein, Halt geben, einander ernst nehmen und von Herzen wertschätzen – all das und noch mehr macht für Gertrud Abels und Michael Schroden echte Freundschaft aus. In mancher Hinsicht gehe diese Verbindung tiefer als viele in ihrer Vergangenheit, wie Gertrud Abels sagt. „‚Hallo, geht’s dir gut, ach komm, erzähl doch mal‘ – solche Oberflächlichkeiten mag ich nicht. Ich will in einer Freundschaft mehr.“

Inzwischen ist die Seniorin froh, dass ihr Weg sie ins Haus St. Antonius geführt hat. „Das sollte so sein. Es ist meine Aufgabe, anderen zu helfen und etwas von meiner Kraft abzugeben. Ich bin innerlich total glücklich, weil ich hier mal sein kann, wie ich eigentlich immer sein wollte.“

Michael Schroden hofft, dass ihre Geschichte auch anderen Mut macht: „Ich hoffe, dass die Leserinnen und Leser sich denken ‚Das hier sind ehrliche Menschen.‘ Und dass sie erkennen: ‚So eine Freundschaft kann ich auch aufbauen.‘“