Hubertas sechstes Weihnachtsfest im Johannes von Gott Haus

Huberta Winzen hat ihr Zimmer im Johannes von Gott Haus längst festlich dekoriert. An den Schränken hängen Girlanden, an den Fenstern Faltsterne, und auf ihrer Kommode steht eine große Weihnachtsmann-Figur. „Kurz vor Heiligabend stelle ich noch meine Krippe auf“, sagt die 91-Jährige. Es ist ihr sechstes Weihnachtsfest in der Senioreneinrichtung. Und auch wenn viele Senioren rund um die Festtage nachdenklich und sentimental werden, blickt sie der kommenden Zeit freudig entgegen: „Weil hier alle Pflegekräfte dafür sorgen, dass wir gemeinsam ein schönes Fest feiern können.“

Die „heiße Phase“ beginnt im Johannes von Gott Haus schon eine Woche vor dem ersten Advent, denn dann wird die gesamte Einrichtung stimmungsvoll dekoriert. „Unsere Studierenden und FSJler binden sorgsam die Tannendeko, die über die Zimmertüren unserer 120 Bewohnerinnen und Bewohner gehängt werden“, sagt Markus Ablass, Leiter des Sozialen Dienstes. Daneben gibt es überall im Haus weihnachtliche Dekorationen und Beleuchtung, und auch der reich geschmückte Christbaum darf natürlich nicht fehlen. Damit die Seniorinnen und Senioren so richtig in Weihnachtsstimmung kommen, gibt es außerdem ein besonderes Programm. Dazu zählen gemeinsames Waffelbacken, Adventssingen, Auftritte von Musikern mit Blasinstrumenten oder von der Musikschule Neuss. Auch ein Filmnachmittag mit dem Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ steht noch auf dem vollen Plan. Dinge, die jetzt wieder besser möglich sind. „Das war noch vor zwei Jahren, zur Hochphase der Pandemie, viel schwieriger. Da mussten wir unsere vier Wohnbereiche ganz strikt voneinander trennen“, berichtet Ablass. Heute sei vieles leichter, aber Corona ist immer noch Thema: „Wir Mitarbeitenden tragen weiterhin Maske und testen uns regelmäßig, das ist uns ganz wichtig und vom Land NRW schließlich auch so vorgegeben“, erklärt Ablass. Die Besucher müssen ebenfalls ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen, bevor sie das Johannes von Gott Haus betreten. „Glücklicherweise schreckt das nur wenige ab, und wir haben fast genauso viele Besucher wie in der Zeit vor Corona“, sagt der 51-Jährige. Huberta Winzen freut sich schon auf ihre drei Söhne, die an den Festtagen bei ihr vorbeischauen. „Seit Corona kommen sie nicht mehr alle auf einmal, sondern sprechen sich ab, wer mich wann besuchen kann. Das ist natürlich etwas schade“, sagt die gebürtige Neusserin. Den Heiligabend verbringt sie, wie die meisten ihrer Mitbewohner, im Johannes von Gott Haus – nur wenige Senioren werden von ihren Familien abgeholt, um den Tag außerhalb zu verbringen. „Viele Angehörige wissen, dass es hier ein schönes Programm für unsere Bewohnerinnen und Bewohner gibt, sodass sie ihre Weihnachtsbesuche sogar auf den 25. oder 26. Dezember legen“, erzählt Ablass.

Für Huberta Winzen waren die ersten Weihnachtsfeste eine Umstellung: „Es fiel mir schwer, mich auf das Neue einzulassen.“ Heute überwiegt die Vorfreude. Am Nachmittag gibt es in der hauseigenen Kapelle eine Andacht, die von den Seelsorgerinnen organisiert wird. Musikalisch begleitet wird das Ganze seit mehreren Jahren von einer Familie aus dem Quartier, die dem Haus seit Jahren zugewandt ist. „Sie schafft eine wunderschöne Atmosphäre, und wenn die Töchter allein singen, kullert bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern die ein oder andere Träne“, berichtet Ablass. Nach der Andacht geht es zurück in die Wohnbereiche, wo an festlich eingedeckten Tischen Kaffee und Kuchen warten. Die dualen Studentinnen und FSJler planen zudem über Wochen ein besonderes Programm. Zum Schluss gibt es ein edles Abendessen und die Bescherung. „Wir überlegen uns jedes Jahr etwas Neues. Zuletzt gab es einen Tischkalender mit Bildern aus unserer Einrichtung“, sagt Ablass. Für Huberta Winzen ist das Schönste aber die Gemeinschaft: „Ich weiß nicht, woran es liegt, aber an Heiligabend reden die meisten viel offener. Wir erzählen uns dann oft, wie es früher war.“ Als Kind der Kriegsgeneration hat die 91-Jährige wenig gute Erinnerungen an ihre ersten Feste: „Wir lebten ja alle in ärmlichen Verhältnissen. Diese eine Puppe, die ich unbedingt haben wollte, habe ich nie bekommen. Stattdessen gab es nützliche Dinge, wie Schürzen oder Handtücher, die ich als Achtjährige auch noch selbst besticken musste“, so die Seniorin. Und mit Blick auf die heutige Energiekrise muss sie nur schmunzeln: „Damals legte man uns Backsteine ins Bett, die den ganzen Tag im Feuerofen lagen – es gab ja keine Heizung. Das war eben unsere Methode, uns warmzuhalten.“

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